Trauer nach dem Tod der Großeltern: Kindern beim Abschied helfen
Inhaltsverzeichnis
- Kindern sagen, dass Oma oder Opa gestorben ist
- Wenn Kinder anders trauern als Erwachsene
- Sollten Kinder mit zur Beerdigung?
- Erinnerungen an Oma und Opa bewahren
- Wenn Eltern selbst um ihre Mutter oder ihren Vater trauern
- Wenn die Trauer erst später kommt
- Wann zusätzliche Hilfe sinnvoll sein kann
- Abschied braucht keine perfekten Worte
Wenn Oma oder Opa stirbt, begegnen viele Kinder zum ersten Mal dem Tod eines Menschen, den sie wirklich kannten und liebten. Für Eltern entsteht dann eine schwierige Situation: Sie trauern vielleicht selbst um die eigene Mutter oder den eigenen Vater und möchten gleichzeitig ihrem Kind Sicherheit geben. Was sagt man? Wie ehrlich darf man sein? Sollte ein Kind mit zur Beerdigung – und was hilft, wenn die Trauer erst Wochen später sichtbar wird?
Kinder brauchen in dieser Situation keine perfekten Erklärungen. Sie brauchen Erwachsene, die ehrlich mit ihnen sprechen, ihre Fragen aushalten und ihnen zeigen: Du darfst traurig sein, aber du darfst genauso spielen, lachen und zwischendurch an etwas völlig anderes denken. Trauer bei Kindern kann anders aussehen als bei Erwachsenen und sich immer wieder verändern.
Kindern sagen, dass Oma oder Opa gestorben ist
Der Wunsch, ein Kind vor der Härte des Todes zu schützen, ist verständlich. Trotzdem helfen Umschreibungen häufig nicht. Sätze wie „Opa ist eingeschlafen“, „Oma ist von uns gegangen“ oder „Wir haben Opa verloren“ können gerade bei jüngeren Kindern neue Fragen oder Ängste auslösen. Wenn Opa eingeschlafen ist – kann Papa dann auch sterben, wenn er heute Abend einschläft? Wenn Oma verloren gegangen ist – können wir sie nicht suchen?
Meist ist eine einfache und klare Erklärung hilfreicher: „Oma ist heute gestorben. Ihr Körper funktioniert nicht mehr. Sie kann nicht mehr atmen, essen oder sprechen und sie kommt nicht wieder zurück.“ Wie ausführlich das Gespräch anschließend wird, darf das Kind mitbestimmen. Die Malteser empfehlen ebenfalls, mit trauernden Kindern offen und ehrlich zu sprechen und irreführende Formulierungen wie „eingeschlafen“ zu vermeiden. Auf ihrer Seite über Trauer bei Kindern finden Eltern auch Hinweise dazu, wie sich das Verständnis vom Tod mit dem Alter verändert.
Es ist übrigens völlig in Ordnung, auf manche Fragen keine Antwort zu haben. Fragt ein Kind etwa „Wo ist Oma jetzt?“, gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Eltern können ihre eigene religiöse oder persönliche Vorstellung erklären und gleichzeitig deutlich machen, dass Menschen darüber unterschiedlich denken: „Ich glaube, dass …“ ist etwas anderes als eine Erklärung, die dem Kind als sichere Tatsache präsentiert wird.
Wenn Kinder anders trauern als Erwachsene
Ein Kind erfährt, dass sein Großvater gestorben ist, weint – und fragt zehn Minuten später, ob es draußen Fußball spielen darf. Das kann Erwachsene irritieren. Es bedeutet aber nicht, dass dem Kind der Großvater nicht wichtig war.
Trauer muss bei Kindern nicht über Stunden oder Tage gleich aussehen. Gefühle können plötzlich auftauchen und ebenso plötzlich wieder in den Hintergrund treten. Auch Wut, Anhänglichkeit, Rückzug oder immer wieder dieselben Fragen können vorkommen. Die Malteser weisen darauf hin, dass Kinder Fragen zum Tod mehrfach stellen können und dabei nicht nur nach Fakten suchen: Die wiederholte Frage kann ihnen auch Sicherheit geben.
Deshalb sollte ein Kind nicht zum Trauern gedrängt werden. Wenn es nach einem traurigen Gespräch wieder mit Lego baut, mit Freunden spielt oder über einen Witz lacht, darf es das. Umgekehrt sollte Traurigkeit nicht sofort weggetröstet werden. Ein schlichtes „Du vermisst Oma gerade sehr, oder?“ kann hilfreicher sein als der Versuch, das Gefühl möglichst schnell verschwinden zu lassen.
Sollten Kinder mit zur Beerdigung?
Es gibt keine Regel, nach der Kinder grundsätzlich zu einer Beerdigung gehören – oder grundsätzlich davor geschützt werden sollten. Entscheidend sind das Kind, sein Alter, seine Beziehung zum verstorbenen Großelternteil und sein eigener Wunsch.
Wenn ein Kind teilnehmen möchte, hilft Vorbereitung. Eltern können vorher möglichst konkret erzählen, was passieren wird: wo die Trauerfeier stattfindet, dass dort ein Sarg oder eine Urne stehen kann, dass Menschen wahrscheinlich weinen werden, was anschließend am Grab geschieht und dass danach möglicherweise alle noch zusammensitzen. Je weniger Unbekanntes auf das Kind wartet, desto leichter kann es die Situation einordnen.
Hilfreich kann außerdem eine vertraute Begleitperson sein, die nicht selbst unmittelbar von ihrer Trauer überwältigt ist. Möchte das Kind während der Trauerfeier hinausgehen, kann diese Person mitgehen. So müssen Eltern nicht zwischen der eigenen Trauer und der Betreuung ihres Kindes wählen.
Auch ein Nein des Kindes sollte respektiert werden. Abschied findet nicht ausschließlich auf einer Beerdigung statt. Ein Kind kann später das Grab besuchen, einen Brief schreiben, ein Bild malen oder auf andere Weise an Oma oder Opa erinnern. Wichtig ist vor allem, Kinder nicht kommentarlos von allem auszuschließen. Angebote der Kindertrauerbegleitung zeigen ebenfalls, dass Erinnern, Erzählen, Spielen, Malen und Gestalten unterschiedliche Wege sein können, mit einem Verlust umzugehen.
Erinnerungen an Oma und Opa bewahren
Abschiednehmen bedeutet nicht, dass Oma oder Opa aus dem Familienleben verschwinden müssen. Gerade für Kinder kann es tröstlich sein, wenn über den verstorbenen Menschen weiterhin gesprochen werden darf.
Dafür braucht es kein großes Trauerritual. Eine kleine Erinnerungskiste mit Fotos, einem Brief, einer Postkarte oder einem Gegenstand von Oma oder Opa kann reichen. Vielleicht gibt es ein Gericht, das der Großvater immer gekocht hat, einen Ausflug, den man gemeinsam gemacht hat, oder eine Geschichte, die in der Familie ständig erzählt wurde. Solche Erinnerungen dürfen bleiben.
Auch Kinder können entscheiden, was ihnen guttut. Das eine möchte ein Foto ans Bett stellen, das andere möchte gerade keines sehen. Manche Kinder wollen zum Geburtstag der verstorbenen Großmutter eine Kerze anzünden, andere empfinden solche Rituale als unangenehm. Es muss keinen richtigen Weg geben, an einen Menschen zu erinnern.
Besonders wertvoll sind Gespräche über ganz normale Erinnerungen. Nicht nur die letzten Tage, Krankheit und Tod gehören zu Oma oder Opa. Auch der misslungene Kuchen, Opas alter Lieblingssessel, gemeinsame Urlaube oder eine typische Redewendung dürfen Teil der Erinnerung sein. So bleibt der verstorbene Mensch in der Familiengeschichte mehr als nur „derjenige, der gestorben ist“.
Wenn Eltern selbst um ihre Mutter oder ihren Vater trauern
Vielleicht ist dies der schwierigste Teil: Eltern sollen ihrem Kind Halt geben, obwohl sie gerade selbst einen Elternteil verloren haben.
Kinder dürfen sehen, dass Erwachsene traurig sind. Eine Mutter muss ihre Tränen nicht verstecken, damit ihr Kind sich sicher fühlt. Hilfreicher kann eine kurze Erklärung sein: „Ich weine, weil ich Opa vermisse. Ich bin sehr traurig, aber du musst dich nicht um mich kümmern.“ Damit versteht das Kind, woher die Gefühle kommen – und gleichzeitig, dass es nicht dafür verantwortlich ist, Mama oder Papa wieder glücklich zu machen.
Eltern dürfen sich deshalb auch Unterstützung für die eigene Trauer suchen. Niemand muss gleichzeitig Beerdigung, Nachlass, Familie, Beruf und die Gefühle aller anderen allein tragen. Das Familienportal des Bundes zum Tod eines Angehörigen nennt Beratungsangebote für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche und verweist unter anderem auf Trauerberatungen und Selbsthilfeangebote.
Wenn die Trauer erst später kommt
Manchmal scheint ein Kind zunächst erstaunlich unberührt. Wochen später möchte es plötzlich nicht mehr allein schlafen oder beginnt wieder intensiv nach Oma zu fragen. Auch ein Geburtstag, Weihnachten, ein Besuch bei den Großeltern oder eine vertraute Alltagssituation kann die Erinnerung erneut auslösen.
Das sollte nicht automatisch als Rückschritt verstanden werden. Kinder entwickeln sich weiter – und damit verändert sich auch ihr Verständnis des Todes. Ein Kind kann einen Verlust deshalb später mit neuen Fragen und aus einer anderen Perspektive betrachten. Die Malteser beschreiben dieses Phänomen so, dass Kinder einen Verlust entsprechend ihrer jeweiligen Alters- und Entwicklungsstufe erneut verarbeiten können.
Eltern können solche Momente aufgreifen, ohne jedes Verhalten sofort auf den Todesfall zurückzuführen. Eine offene Frage reicht häufig: „Ich habe gemerkt, dass du in letzter Zeit wieder oft von Oma sprichst. Musst du gerade viel an sie denken?“ Das lässt dem Kind die Möglichkeit zu erzählen – aber auch die Möglichkeit, Nein zu sagen.
Wann zusätzliche Hilfe sinnvoll sein kann
Nicht jedes traurige, wütende oder vorübergehend anhängliche Kind braucht professionelle Trauerbegleitung. Trauer ist zunächst eine natürliche Reaktion auf einen Verlust. Wenn Eltern jedoch merken, dass sie ihr Kind kaum noch erreichen, die Belastung den Alltag stark beeinträchtigt oder sie selbst nicht mehr wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen, dürfen sie sich Unterstützung holen.
Es gibt spezielle Angebote für trauernde Kinder und Familien. In Kindertrauergruppen können Kinder beispielsweise andere treffen, die ebenfalls einen nahestehenden Menschen verloren haben. Dort darf gesprochen und geweint, aber ebenso gespielt, gelacht, gemalt oder einfach zugehört werden. Solche Angebote richten sich ausdrücklich auch an Kinder, die Großeltern verloren haben.
Über die Trauerbegleitung der Malteser lassen sich regionale Angebote für Erwachsene, Kinder und Jugendliche suchen. Das Familienportal des Bundes nennt darüber hinaus weitere Beratungsstellen und verweist auf das Elterntelefon unter 0800 111 0 550 sowie das Kinder- und Jugendtelefon unter 116 111.
Auch Eltern selbst dürfen Hilfe annehmen. Das staatliche Gesundheitsportal gesund.bund.de informiert über den Umgang mit Trauer und ordnet Möglichkeiten wie Selbsthilfe, Trauerberatung und psychotherapeutische Unterstützung ein.
Abschied braucht keine perfekten Worte
Eltern können ihrem Kind den Schmerz über den Tod von Oma oder Opa nicht abnehmen. Das müssen sie auch nicht. Viel wichtiger ist die Erfahrung, mit diesem Schmerz nicht allein zu sein.
Das bedeutet: ehrlich sagen, was passiert ist. Fragen beantworten, auch wenn sie zum fünften Mal gestellt werden. Gemeinsam weinen, ohne das Kind für die eigene Trauer verantwortlich zu machen. Spielen und Lachen zulassen. Erinnerungen bewahren, wenn das Kind das möchte. Und akzeptieren, dass Trauer nicht nach einigen Wochen abgeschlossen sein muss.
Vielleicht fragt ein Kind Monate später plötzlich wieder: „Weißt du noch, wie Opa immer …?“ Dann muss daraus kein schweres Gespräch entstehen. Manchmal ist die beste Antwort einfach: „Ja. Das weiß ich noch.“ Denn auch das gehört zum Abschied: Ein geliebter Mensch ist gestorben – die gemeinsame Geschichte mit ihm ist trotzdem noch da.
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Hinweis: Wir haben am 18. September 2026 zum ersten mal über »Trauer nach dem Tod der Großeltern: Kindern beim Abschied helfen« geschrieben.
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