Wenn Mädchen ohne Vater aufwachsen: Gefährliche Folgen für die Entwicklung

Aktualisiert am 28.August 2020

Kinder, die ohne Vater aufwachsen, entwickeln sich oft anders, als wenn sie in einer intakten Familie großwerden. Die Folgen sind dabei vielfältig. Beziehungsunfähigkeit, übertriebener Ehrgeiz oder Selbstfindungsstörungen sind dabei nur einige Beispiele. Doch wieso ist gerade für Mädchen eine feste Vaterfigur so wichtig?

von Redaktion
Bild zeigt Mädchen mit Vater
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Das Idealbild einer intakten Familie mit liebevollen Eltern und glücklichen Kindern ist in der Realität häufig eine Seltenheit. Immer höhere Scheidungsraten oder Trennungen unmittelbar nach der Geburt sorgen dafür, dass Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Nicht nur das Paar leidet dabei an den Folgen der Trennung. Auch Kinder, die in einem zerrütteten Familienverhältnis aufwachsen, trifft es in der Regel hart. Dass vor allem Mädchen signifikante Probleme in der Entwicklung ihres Charakters bekommen, wenn ihnen der Vater fehlt, ist kein Geheimnis.

Verlustängste und instabile Beziehungen sind die Folge

So gut eine Mutter in der Erziehung der Kinder aufgeht und so viel Liebe sie ihren Kindern auch schenkt, fehlt dennoch immer eine wichtige Bezugsperson, die gerade für Mädchen so wichtig ist. Die Folge ist eine sogenannte Geschlechterentfremdung, die Nachwirkungen für das ganze Leben eines Mädchens haben kann. Lernen Mädchen ihren Vater nicht kennen oder sehen ihn nur in unregelmäßigen Abständen, so distanzieren sie sich damit meist automatisch vom männlichen Geschlecht. Der Vater, der eigentlich eine Vorbildfunktion für Kinder einnimmt, wird als unzuverlässig und unliebend angesehen.

Oft haben Mädchen ohne Vater auch das Gefühl, nicht gewollt und sogar unerwünscht zu sein. Dieses fehlende Urvertrauen in den Vater wird später auf andere Männer projiziert. Junge Frauen haben damit häufig Probleme, stabile Beziehungen einzugehen und leiden unter Verlustängsten. Auch Unsicherheit und Unwohlsein gegenüber Männern kommen vor. Oft geht dabei auch das Gefühl einher, nicht gut genug für einen potenziellen Beziehungspartner zu sein und ohnehin bald verlassen zu werden. Eine entsprechende traumatisierenden Erfahrung gab es immerhin schon frühzeitig.

Die Partnersuche gestaltet sich oft problematisch

Nicht jede Frau fürchtet sich jedoch vor Männern beziehungsweise männlichen Beziehungspartnern. In einigen Fällen findet stattdessen schon frühzeitig eine umgekehrte Tendenz statt: Mädchen versuchen die fehlende Vaterfigur zu ersetzen und suchen daher fast verzweifelt nach männlichen (sexuellen) Kontakten. Fehlte ihnen bisher jemand, der sie an die Hand nahm, sie beschützte und an den sie sich immer anlehnen konnten, ist das Bedürfnis vor allem im Jugendalter nach so einer Person besonders ausgeprägt. Sie suchen nach einem Mann, zu dem sie aufschauen können und vergessen dabei den Sinn einer tatsächlichen Liebesbeziehung.

Zu unterscheiden ist hierbei der "Vaterkomplex", eine psychische Störung, die vor allem bei jungen Frauen auftritt, die in zerrütteten Verhältnissen aufwachsen. Verdrängte Verlustgefühle und der Wunsch nach einer tatsächlichen Vaterfigur führen dazu, dass junge Frauen bewusst oder auch unbewusst nach einem Mann suchen, der ihrem Vater oder dem Wunschbild ihres Vaters ähnlich ist. In der Regel handelt es sich dabei um Männer, die dem Alter zufolge tatsächlich der Vater der Frauen sein könnten.

Leistungsdruck und mangelnde Sozialkompetenz drohen

Nicht nur auf Liebesbeziehungen wirkt sich das Fehlen eines Vaters aus. Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, verschließen oft frühzeitig ihre Gefühle, um nicht verletzlich zu wirken. Sie haben gelernt, den Schmerz den sie in sich tragen zu verstecken. Um den fehlenden Teil in sich zu kompensieren, setzen solche Mädchen und Frauen häufig auf Leistung und Macht. Übertriebener Ehrgeiz ist oft die Folge. Nicht selten wollen die Betroffenen dadurch zeigen, dass sie nicht auf eine Vaterfigur angewiesen sind und dass sie ihren Lebensweg allein und ohne Hilfe beschreiten können. Dieser Leistungsdruck, den sie verspüren und dem sie sich auch selbst aussetzen, kann dabei zu einer mangelnden Sozialkompetenz führen. Das Gefühl, niemandem außer sich vertrauen zu können und die Grundskepsis, den die Mädchen anderen Menschen gegenüber und vor allem auch Männern tragen, verstärkt diesen Effekt.

Die Suche nach sich Selbst bleibt erfolglos

Nicht zuletzt besteht der Urinstinkt des Menschen, sich in den Eltern wiederfinden und sich in ihnen spiegeln zu wollen. Fehlt die Vaterfigur, fehlt damit auch ein signifikanter Teil der Persönlichkeit. Ein Vaterbild, das sich lediglich aus

Erzählungen von Seiten der Mutter speist, kann den Vater als Person dabei nicht ersetzen. Junge Mädchen entwickeln daher ein Wunschbild eines Vaters, das aus Erzählungen und Fotos zusammengesetzt und das damit auch idealisiert wird. Bei Konflikten mit der Mutter berufen sich Mädchen dabei auf das Idealbild in ihrem Kopf und entwickeln damit eine zunehmende Wut gegenüber ihrer Mutter. Auch dieses Verhältnis kann daher langfristig darunter leiden.

Alles in allem fühlen sich Mädchen ohne Vater häufig in einem Teufelskreis gefangen, den sie alleine nicht durchbrechen können: Der fehlende Vater führt zu Leid, Verlustängsten und bringt Wut und Unsicherheit mit sich. Häufig versuchen Mädchen oder Frauen diesen Verlust mit anderen Männern oder auch mit privaten oder beruflichen Erfolgen für sich zu ersetzen. Das gelingt dabei jedoch häufig nicht und führt stattdessen zu einer inneren Leere, die gespeist ist mit dem Wunsch, den Vater kennenzulernen oder ihm nahe zu sein. Diese Leere wird wiederum mit anderen Mitteln und Wegen versucht zu füllen.

Befinden sich junge Mädchen und Frauen in solch einer Lage, ist es immer ratsam, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellenverzeichnis:

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