Online-Dating: Beliebt trotz schlechtem Ruf?

Bild zeigt Frau beim Dating am Handy

Um einen passenden Partner zu finden, verwenden Menschen in Zeiten von Internet, Smartphone und Co. schon lange neue und digitale Wege zur Kontaktaufnahme.

Was einst analoge Kontaktanzeigen in Printmedien waren, sind nun Dating-Apps, Matchmaking-Websites und digitale Kleinanzeigen zur Partnersuche. Der großen Beliebtheit solcher Dienste steht jedoch ein schlechter Ruf gegenüber: Online-Dating eignet sich laut der Meinung vieler nicht, um ernsthafte Partnerschaften zu finden. Doch stimmt das tatsächlich? Und was macht das Dating im Netz überhaupt so interessant?


Mehr als nur Affären?

Mit weltweiten Nutzerzahlen im dreistelligen Millionen-Bereich erfährt Online-Dating einen regelrechten Boom. Zu den beliebtesten Applikationen gehört etwa die Matchmaking-App Tinder, mit über 64 Millionen Downloads. Dabei ist gerade der Ruf von Tinder ziemlich schlecht. Medial wird die App häufig nur auf das Zustandekommen von belanglosen Sex-Treffen reduziert, weit entfernt von seriöser Partnersuche. Doch stimmt das?

Mehrere wissenschaftliche Befragungen sprechen dagegen. Forscher untersuchten, welche Ziele die Nutzer der App verfolgen und welche Motivationen sie antreibt. Man stellte fest, dass die Suche nach einer ernsthaften und langfristigen Partnerschaft stärker vertreten war als die Motivation, kurzfristige Techtelmechtel einzugehen. Das Potenzial ist folglich da. Wer eine Partnerschaft sucht, hat prinzipiell die Möglichkeit, diese im Netz zu finden.

Ob die Suche nach einer langfristigen Beziehung beim Online-Dating Erfolg hat oder nicht, hängt stark von der gewählten Plattform ab. Oftmals haben Verkupplungs-Dienste bestimmte Schwerpunkte und richten sich explizit an Partnersuchende, Sex-Treffen oder spezifische Zielgruppen, wie die Dating-Plattform Grindr, die für ein homosexuelles Publikum konzipiert wurde.

Um Nutzer zu selektieren, die an einer ernsthaften Beziehung interessiert sind, besteht auf Dating-Apps und Websites zumeist die Möglichkeit, im Nutzerprofil Angaben über das Suchinteresse zu machen oder Filter anzuwenden, die nach bestimmten Kriterien passende Profile anzeigen. Wer als Partnersuchender in seinem Profil deutlich artikuliert, dass nur ernsthafte Kontaktversuche gewünscht sind, kann auf diese Weise auf besser passende Anfragen hoffen.


Woher kommt die Beliebtheit der digitalen Partnersuche?

Bei der riesigen Nutzerzahl beim Online-Dating fragen sich viele, was aus dem Kennenlernen im realen Leben geworden ist und warum eine derartige Masse an Menschen die digitale Variante scheinbar bevorzugt. Im Vergleich zu Interaktionen, die Angesicht zu Angesicht verlaufen, punktet Online-Dating mit einigen Vorteilen, die allem Anschein nach überzeugen.

Im Netz tut Abweisung weniger weh. Das unangenehme Gefühl einer erfahrenen Ablehnung im realen Leben bleibt im Internet oft aus oder schmerzt weniger. Eine Person antwortet nicht auf eine versendete Nachricht? Egal, dann eben auf zur nächsten. Gerade für schüchterne Menschen bietet Online-Dating eine hervorragende Möglichkeit, um anderen näher zu kommen, ohne ihnen zu nahe zu kommen oder negative Konsequenzen fürchten zu müssen.

Ein weiterer Vorteil: Online haben Nutzer eine größere Kontrolle über die Art und Weise, wie sie sich anderen präsentieren. Während Unsicherheit im analogen Dating-Kontext sofort für den anderen ersichtlich ist, etwa durch Erröten, Stottern oder eine zurückgezogene Körperhaltung, fallen diese nonverbalen und unerwünschten Signale im Netz weitestgehend weg.

Interessanter Weise tendieren Menschen beim Online-Dating trotz der möglichen Verschleierung ihres wahren Ichs oft nicht zu einer völlig unrealistischen Präsentation des Selbst: Zumindest wenn ernsthafte Beziehungen gesucht werden, streben Nutzer nach einer authentischen Selbstdarstellung, da sie keine falschen Erwartungen erzeugen möchten. Das liegt daran, dass Partnersuchende eine realweltliche Begegnung mit ihren Online-Kontakten anstreben und diese bei einem Treffen Angesicht zu Angesicht nicht enttäuschen möchten. Zudem kommt dieser Umstand daher, dass Menschen auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung von Anfang an für den Menschen gemocht werden möchten, der sie nunmal sind.

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Hinweis: Wir haben am 01. April 2023 zum ersten mal über »Online-Dating: Beliebt trotz schlechtem Ruf?« geschrieben.

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